HOLY HINDI! Meine verrückte Tattoo-Session in Indien. 

„Andy’s Tattoo Studio“. Das sollte der Name von dem, nach indischen Verhältnissen, seriösen Tattoostudio am Strand von Anjuna sein. Seriös ist hierbei relativ, wie sich demnächst noch herausstellen wird. „Ein sauberes Studio mit exzellenten Künstlern“ hat es im Reiseführer genießen (schlimm genug eigentlich, dass ich uns ein Studio aus dem Reiseführer herauspicke) Doch wenn’s sogar im Reiseführer steht, werden das ja wohl schon einige vor uns überlebt haben. Also ab hin da!

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Anjuna ist ein kleiner Strandort mit Klippen, wo es quasi nur einen Gang durch unzählige Shops gibt, die alle das selbe verkaufen (nichts ungewöhnliches für Indien). Am Ende des Ganges (höhö) strandet man am Meer. Und irgendwo, zwischen Shops, Strand, Koriander- und Grasgeruch, findet man ein kleines Häuschen mit echten Betonwänden. Kein Zelt, so wie die tausend anderen Läden. Ein echtes Häuschen. Hier dürfte man jeden Tag der Woche, 356 Tage im Jahr auf den Auswanderer Andy treffen. Ein Engländer, der ziemlich schroff aber irgendwie sympathisch rüber kommt. So ganz verstanden habe ich bis heute nicht, warum Andy ausgewandert ist. Quasi das erste was er uns erzählt hat, als er mit nem Johnny aus seiner Bude kam, war nämlich, dass er kein Hindi kann und es auch niemals lernen wird, weil er, Zitat: „einfach keinen Bock drauf hat den ganzen Bullshit anhören zu müssen, den die ätzenden Inder den weißen Frauen und Männern hinterherrufen“. Wirklich große Lust, den engen Gang durch die Shops, voll mit Indern  zurück zum Taxi zu laufen, hatte ich nach dem Spruch nicht gerade.

Und dann ging’s auch schon los. Viel rumgelabert und Geschichten erzählt, wie man das aus den ganzen MTV Tattooserien kennt, wurde da nicht. (War ich übrigens sehr froh drüber, warum muss jedem Tattoo eine schicksalhafte Geschichte anheften?) Bis jetzt war die Situation also noch relativ normal. Im Raum drinnen dann aber sah es irgendwie garnicht mehr nach sterilem Studio aus. Zwei abgeranzte Pritschen, eine riesige Musikanlage und drei ungesund aussehende Hunde waren in dem Raum. Ich glaub Andy wusste genauso wenig wie wir, wo die herkamen. Hat allerdings auch keinen interessiert. Bevor Andy angefangen hat zu stechen, hat er sich erstmal ausgezogen. Nicht bis zum Schlüpper, aber fast. Die zweite Vorkehrung, die er zu treffen hatte, war ohrenbetäubend laute Goa-Mukke aus der Anlage dröhnen zu lassen. Also saßen wir mit einem halbnackten bekifften Mann in einem Raum, der einem Tierheim glich, bei tierisch lauter Technomukke und ließen uns was stechen. Achso, Joint Nummer zwei wurde vorher noch angezündet. Zehn Minuten und ungelogen noch einen Joint später, war er fertig. Musik wurde ausgemacht, auf’s anziehen wurde verzichtet.

Processed with VSCO with f2 preset
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Während ich gerade drinnen war, ist draußen zu meinen Freunden ein Mann dazugestoßen. Ich komme also aus dem Raum und draußen sitzen die vier: Drei meiner Freunde und Fritz Bauer. Wo kommt Fritz Bauer wohl her? Richtig, Kambodscha. Nein, natürlich ein Urberliner der auch vor Jahren nach Indien ausgewandert ist und hier nun Bockwürste verkauft. Kein Scheiß. Er und Andy scheinen sich zu kennen. Fritz Bauer, der ein sehr großer, sehr dicker Mann in löchrigen Jeansshorts ohne Unterwäsche, dafür mit rotem Bandana um den Hals gebunden ist, erzählt uns, dass er vor hat, ein Buch zu schreiben. Über seinen Wurst-Imbiss und andere Abenteuer. Es soll den einfallsreichen Namen „Stories eines Weltenbummlers“ tragen. Rausgekommen ist es bis jetzt noch nicht, aber ich warte sehnsüchtig darauf. Nach kurzem Schnacken mit Andy und uns, zischt Fritz Bauer mit einem viel zu kleinen Moped und einem draufsitzenden viel zu kleinen Mädchen ab und wir sehen uns nie wieder. (Bis zum heutigen Tag, ich werde natürlich auf seiner Buchsignierparty anwesend sein). Als Fritz Bauer weg war, kam einer von Andys Mitarbeitern, ein junger Inder mit einem riesigen Hakenkreuz auf der Brust tattoowiert, das natürlich kein Hakenkreuz war. Ein Sonnenzeichen. Trotzdem erstmal komischer Anblick.

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In der gesamten Zeit, in der wir im Studio waren (und das war nicht länger als eine dicke Stunde), hat Andy ungelogen fünf Joints alleine weginhaliert. Er meinte, ohne die ist er nicht normal, dann zittert er. Nagut, ist nicht so vorteilhaft als Tätowierer, muss ich zugeben.

Mein Tattoo wurde am Handgelenk gestochen. Scheinbar ne blöde Stelle, denn der Inder mit dem Haken-Sonnen-Dings-Zeichen verklickerte mir, dass das jetzt anschwellen wird. Genaugenommen, und er hielt seine Hand circa 10 cm über mein Handgelenk, bis dort hin. So so, Brudi.

Ich sollte also in kurzer Zeit einen 10 cm hohen Hügel auf meinem Handgelenk tragen. Logischerweise hab ich ihn mindestens drei mal gefragt, ob er mich eigentlich verarschen will. Wollte er nicht. Er hat mir dann eine ungwöhnlich bunte und nicht gerade vertrauenserweckende Pille in die Hand gedrückt, die ich im ganzen Schlucken sollte um der bevorstehenden Monster-Schwellung vorzubeugen. In der Situation, vielleicht durchs Passivkiffen, vielleicht auch nur durch Aufregung, habe ich tatsächlich nicht darüber nachgedacht, dass das eventuell keine Schwellungs-lindernde-Pille sein könnte. Da bin ich tatsächlich (ich schwörs Omi) erst drauf gekommen, als ich die Story anderen Leuten erzählt habe.

Mit der pinken Pille in der Tasche und neuer Kunst auf der Haut haben wir uns dann von Andy und dem jungen Inder verabschiedet und uns in ein Café direkt nebenan gesetzt. Die Musik dort hat sich nicht stark von Andys Goa Mukke unterschieden und auch der Geruch war der selbe. Ich hab dann die Pille genommen und mich immer benebelter gefühlt. Ich kann bis heute nicht sagen, ob mich die ganze Situation einfach mental ein bisschen ausgeknockt hat oder eben die Pille, aber ich hab’s überlebt. Auch, wenn sich Andys Tattoo Studio etwas abgefuckt angehört hat, ist es sicherlich tausendmal hygienischer als irgendsoeine Strandhütte zum Tätowieren, wo ausgeblichene Plakatwände vor der nicht existierenden Tür stehen und man zwei Euro für einen flächendeckenden Koi-Karpfen bezahlen muss. Achja. Und nehmt keine Drogen.

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